Coromandel Peninsula

Unser Plan Silvester auf der Coromandel Halbinsel zu verbringen fällt ins Wasser. Aber der Reihe nach. Am Tag nach unserem Ausflug nach White Island brechen wir auf nach Withianga. Unsere Fahrtstrecke entlang der Bay of Plenty sieht auf der Landkarte gar nicht so weit aus, aber da haben wir uns getäuscht. Eine Kurve jagt die nächste und es sind Autos ohne Ende unterwegs. Wir sind Stunden unterwegs.

Auf der Strecke zu unserem Hostel in Withianga machen wir Stop an den beiden Brennpunkten Cathedral Cove und Hot Water Beach. Diesmal Touristen ohne Ende. Einerseits von uns erwartet, denn schließlich ist es die Woche zwischen Weihnachten und Silvester, andererseits erwischt uns nach Wochen mit geringer Touristendichte auf der Südinsel, der Touristensturm doch etwas unvorbereitet.

Der natürliche Felsbogen Cathedral Cove am Strand ist über einen 30-minütigen Spazierweg zu erreichen. Parken? Wir werden bereits vor der kleinen Ortschaft abgefangen und auf einen Park & Ride Parkplatz gelotst und nehmen von dort aus den Bus. Mit all den anderen Touristen, die die Strandwelt von Hahei genießen wollen. Die 30 Minuten bis zum Felsbogen laufen wir mehr oder weniger im Touristen-Flip-Flop-Pulk, obwohl es bereits früher Nachmittag ist. Kein Wunder, daß der Reiseführer empfiehlt diese Sehenswürdigkeit erst am späten Nachmittag aufzusuchen. Trotzdem. Tolle Landschaft. Steilküste. Treppen führen uns in einem Wald voller Pohutukawa-Bäume die Steilküste hinab. Wir bleiben ab und zu stehen und fotografieren: nicht nur die Bucht, sonderen vor allem Farnspiralen. Das fällt anscheinend auf, denn unten am Strand werde ich später angesprochen, ob ich Fotografin oder Künstlerin wäre. Nein?! Warum? Na, ich hätte unterwegs doch diese Fotos gemacht …

Nach all den Treppen unten angekommen erwartet uns eine kleine Sandbucht. Der Weg in die nächste Sandbucht führt durch den berühmten Felsbogen, genannt Cathedral Cove. Hier ein Foto ohne Touristenhorden zu bekommen ist ein wahres Geduldsspiel. Aber wir haben ja Zeit. Sind wir nicht im Urlaub? Ja, mit Millionen anderer Menschen. Nach einer kleinen Pause am Strand machen wir uns auf den Rückweg. Baden? Nein, danke. Zuviele Menschen und außerdem ist das Wasser dann doch nicht so warm.

Auf der Weiterfahrt stoppen wir kurz danach am zweiten Brennpunkt der Gegend, dem Hot Water Beach. Ein Strand mit heißen Quellen. Jeder kann sich seinen eigenen kleinen Pool buddeln. Bei Ebbe, wohlgemerkt. Und so sind alle Urlauber hier mit Schaufel bewaffnet. Wir kommen zum perfekten Zeitpunkt, denn kurz nach 17 Uhr ist Tiefststand des Wassers.

Aber nichts hat uns auf dieses Spektakel vorbereitet. Menschenleerer Strand soweit das Auge reicht auf der einen Seite des Strands. Aber dort, was ist das denn? Menschenleerer Strand und dann kommt nach 5 Minuten Strandspaziergang eine total überfüllte Pool- und Menschenlandschaft! Als ob jemand alle Sandburgen, die jemals an dänischen oder deutschen Stränden gebaut wurden, zusammengeschoben hat. Dicht an dicht befindet sich ein kleiner Pool neben dem anderen. Ein fingerbreit Wasser steht in den Pools. Nicht genug, um wirklich unterzutauchen. Und Menschen, dicht an dicht, die in diesen Pools sitzen, liegen oder in ihnen oder um sie herum stehen. Ein Spektakel, das uns begeistert und belustigt, aber nicht zum Mitmachen einlädt.

Die Nacht verbringen wir in der YHA in Withinanga. Naja, „groovig“ mit großen Fenstern und Blick aufs Meer, aber spartanische Zimmer ohne Gemütlichkeitsfaktor und dreckige Küche. Kein Hostel zum Weiterempfehlen, aber hier ist es angesichts der Menschenmengen an diesem Stück Küste schwierig überhaupt eine kostengünstige Übernachtung zu finden. Also nehmen wir es gelassen nach dem Motto: Eine Nacht, was soll´s.

Am nächsten Tag machen wir uns auf nach Coromandel Town. Es regnet und zwar nicht zu knapp. Keine Sicht. Schade! Denn die kurvige Straße bergauf und bergab läßt eigentlich herrliche Aussichten vermuten. Auch der kleine Aussichtspunkt bevor wir das letzte Stück nach Coromandel Town hinunterfahren gibt keine wirklichen Blicke her. Alles in grauen, tiefhängenden Wolken verhüllt.

Was machen in dem winzigen Städtchen Coromandel Town bei schlechtem Wetter? Auf meinen Vorschlag die Waterworks – angeblich interessante Wasserspiele aus Schrott zusammengebastelt – springt Ela nicht wirklich an. Also nehmen wir uns die Driving Creek Pottery & Railway vor.

Wir ergattern über eine Warteliste noch zwei Tickets und können mit der nächsten Bahn mitfahren. Wir erwarten ein absolutes Touri-Programm – und werden positiv überrascht. Wir nehmen in der kleinen Schmalspurbahn Platz. Über unzählige Kehren und durch zwei kleine Tunnel kämpft sich diese kleine Spielzeugeisenbahn den Berg hinauf. Mehrfach fahren wir in eine Sackgasse, stoppen, der Lokführer steigt aus, geht zum hinteren Ende des Zugs und stellt die Weiche um bevor er den Zug dann an diesem Ende wieder besteigt und die nächsten Steigungen erklimmt. An einer Stelle enden die Schienen auf einer Holzplattform, die weit über den Abhang hinaus ins Nichts ragt und auf die der Zug hinausfährt. Sackgasse, Weichen umstellen und die Fahrt im Lokführerhäuschen am anderen Ende des Zugs wieder aufnehmen. Ich atme auf, als wir wieder von der Holzplattform verschwunden sind. Allerdings mutet die doppelstöckige Brücke, die wir zwei Mal überfahren auch nicht weniger bizarr an.

Immer wieder sind Tonfiguren entlang der Gleise platziert; die Tunneleingänge sind mit dekorativen Tonkacheln dekoriert. Wunderschön. Und mit ein bisschen besserem Wetter wären auch die Blicke über die Coromandel-Halbinsel atemberaubend. So freuen wir uns nur über diese lustige Bahn, die ursprünglich einzig zu dem Zweck erbaut wurde, Ton vom Berg hinab in die Töpferwerkstatt des Eigentümers zu transportieren. Und da dieser ein absoluter Eisenbahnfanatiker war und ist, wuchs die Bahn von Jahr zu Jahr; neue Schienenstränge wurden in mühevoller Arbeit – alles ohne maschineller Unterstützung – gelegt, obwohl diese sicherlich nicht mehr für den Tonabbau gebraucht wurden. Zur kommerziellen Einkunftserzielung wurde die Bahn erst vor rund 10 Jahren eingesetzt als die Bank auf eine Rückzahlung der benötigten Kredite drängte. Heute sind die Kredite längst abbezahlt und die aus der Bahn erzielten Einkünfte werden für den Naturschutz eingesetzt. Alles in allem ist diese Zugfahrt ein kleines unerwartetes Highlight.

Wir beziehen unser Zimmer in der TUI Lodge in Coromandel Town – und sind wenig begeistert von unserem Zimmer und der Lodge. Nicht wirklich einladend. Nun, noch gehen wir davon aus nur eine Nacht in diesem Zimmer zu verbringen und für die beiden weiteren Nächte – über Silvester – dann in ein komfortableres Zimmer mit eigenem Bad umzuziehen. Aber dazu kommt es dann nicht mehr. Es sind eine Menge Camper auf dem Platz, die alle Küche, Toiletten und den offenen Aufenthaltsraum, der sich unmittelbar vor unserem Zimmer befindet, benutzen. Es wird gefeiert bis nachts um 3 Uhr. Die Besitzer der Lodge bitten zwar einmal um Mitternacht um Ruhe, lassen es dann aber laufen. Erst nachdem wir mehrfach hartnäckig um Ruhe bitten, wird ab 3 Uhr in der Küche weitergefeiert. Eine Nacht davon reicht uns. Und da die Lodge wenig gemütlich ist wollen wir weder die erwarteten Regentage hier festsitzen noch Silvester feiern. Also brechen wir am nächsten Morgen nach Auckland auf.

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