Brisbane und ein Besuch beim aschgrauen Beuteltier

Von Bellingen mache ich einen Sprung nach Brisbane. Aus 2.800 Einwohnern werden 2 Millionen –eben ein paar Nullen mehr. Ich komme spät abends an. Auf der Fahrt hat es mehr oder weniger die ganze Zeit geregnet. Und auch auf dem Weg vom Busterminal zur Jugendherberge in Brisbane hat Petrus kein Erbarmen mit mir. Um nicht zu sagen, er legt noch mal richtig los. Trotz Regenschirm bin ich nach dem kurzen Weg zur YHA – 10 Minuten Fußweg – total naß.
Brisbane im Regen. Das hält auch am nächsten Tag so an. Ich erkunde kurz die Stadt, flüchte bei Regenschauern in ein Cafe, von denen es in Brisbane jede Menge gibt und die die Stadt wirklich einladend machen. Auch bei Regen. Ich habe nette Mitbewohnerinnen in meinem Dorm und so vertreiben wir uns die Zeit trotz Regen mit guter Laune. Unseren Plan ins Koala Sanctuary zu fahren, daß am Stadtrand von Brisbane liegt, verschieben wir jedoch auf morgen.
Am nächsten Tag meint Petrus es gut mit mir. Strahlend blauer Himmel. Aber wer gedacht hat, das bleibt jetzt so, hat sich getäuscht. Bereits als ich in der Stadt in den Bus zum Koala Sanctuary einsteige, ziehen die ersten Wolken am Himmel auf. Trotzdem blinzelt die Sonne den ganzen Tag immer wieder hartnäckig durch die Wolken und hält den Regen in Schach. Und das ist auch gut so, denn mein Besuch bei den Koalas, die lustigerweise auch aschgraue Beuteltiere heißen, macht so viel mehr Spaß.
Ich bin mit einer Schweizerin unterwegs und wir können uns gar nicht satt sehen an den Koalas. Wir wandern von einem Gehege zum anderen und betrachten die kleinen flauschigen Bärchen. Träge sind sie. 20 Stunden Schlaf am Tag, den sie auch uns zuliebe nicht unterbrechen. Sie lümmeln in den Astgabeln der Bäume herum. Sieht nicht wirklich bequem für mich aus, scheint aber bequem für die Koalas zu sein. Nur wenn die Sanctuary-Mitarbeiter mit neuen Eukalyptus-Ästen kommen, werden die Tiere aktiv. Sie lassen die Eukalyptus-Äste nicht aus den Augen; beobachten welche Äste wohin getragen werden, um ja ihre Lieblingsblätter zu erhalten. Da kommt es dann schon mal vor, daß sie ohne Rückscht auf ihren Nachbarn einfach über diesen hinwegkrabbeln.
Koalas sind echte Gourmets. Sie fressen ausschließlich Eukalyptusblätter. Immerhin gibt es 500 Arten Eukalyptusbäume in Australien, so daß man annehmen könnte, die Koalas hätten genügend Auswahl. Weit gefehlt! Eukalyptusbaum ist nicht gleich Eukalyptusbaum und so finden die Koalas nur Blätter von rund 70 Baumsorten zum Verzehr geeignet. Und auch bei der Blattauswahl sind sie äußerst wählerisch und beschnuppern jedes Blatt erst vor dem Verspeisen. Guten Appetit!
Mittags hören wir uns einen Vortrag über die Koalas an und werden einem Koala hautnah vorgestellt. Er sitzt geduldig auf dem Arm einer Sanctuary-Mitarbeiterin und wir dürfen seinen Rücken kraulen. Was für ein flauschiges Fell! Nur an die lustigen, plüschigen Ohren dürfen wir nicht fassen, das geht dann doch über die Tolelranzschwelle des Koalas.
Wir stehen fast eine Stunde vor dem Gehege mit den Jungkoalas, denn diese sind noch am aktivsten und tollen durch die Bäume, krabbeln über ihre Artgenossen, um sich dann ganz ernsthaft wie ihre Mütter den Eukalyptusblättern zu widmen.
Aber ich lerne nicht nur Koalas hier im Koala Sanctuary kennen, sondern stehe auch meinen ersten Känguruhs gegenüber. Mit Futterbeutel bewaffnet betrete ich das Grüngehege und füttere meine ersten Känguruhs. Auch sie haben ein unglaublich flauschiges Fell. Große und kleine, graue und rote Känguruhs. So ganz traue ich der Sache aber nicht, als eines der großen Känguruhs auf mich zu kommt. Aufgerichtet wäre es sicherlich größer als ich. Und hatte ich nicht irgendwo gelesen, daß die Känguruhs ganz kräftig boxen können, wenn sie ungehalten werden? Aber ich verfolge den Gedanken nicht weiter, denn ich werde von einer Känguruhmama abgelenkt, die ein Junges in ihrem Beutel herumträgt. Das Junge scheint nicht mehr ganz so klein zu sein und lustigerweise schaut nicht der Kopf aus dem Beutel hinaus, sondern es ragen die beiden Hinterläufe und ein Stück Schwanz heraus. Das sieht vielleicht witzig aus! Später lese ich, daß die Känguruhjungen kopfüber in den Beutel ihrer Mutter hüpfen und im Beutel einen Salto schlagen, um wieder mit dem Kopf hinausschauen zu können. Sportlich, sportlich kann ich nur sagen.
Und dann sind da noch diese großen Vögel in einem der anderen Gehege. Cassowarys – noch nie von ihnen gehört. Australiens größtes Landtier mit bis zu 85 Kilogramm Körpergewicht und zugleich der wichtigste Gärtner des australischen Regenwalds. Denn die Samen von fast 100 Bäumen werden durch die Nahrungsaufnahme der Cassowarys verbreitet oder durch ihre Verdauung überhaupt erst zum sprießen gebracht. Leider stehen diese stolzen Vögel mit ihrem wunderschönen bunten Kopf auf der Liste der bedrohten Tiere, weil ihnen ihr Lebensraum, der Regenwald, abhanden gekommen ist. Wobei – begegnen möchte ich ihnen in freier Natur eigentlich nur mit ausreichend Abstand. Cassowarys besitzen an ihrem Fuß drei Zehen, von denen eine mit einem unglaublich scharfen Fußnagel ausgestattet ist. Fühlt sich das Cassowary bedroht, gibt es einen Fußtritt vor den Latz, was mit diesem scharfen Fußnagel nicht ganz ungefährlich ist.
Wir verbringen fast den ganzen Tag im Koala Sanctuary und fahren erst spätnachmittags wieder in die Innenstadt von Brisbane. Pünktlich fängt es da an zu regnen und wir beeilen uns, daß wir in unsere Jugendherberge kommen. Was für ein toller Tag!

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