Sydney

Von einem Land mit vier komma zerquetschten Millionen Einwohnern komme ich in eine Stadt mit über sechs Millionen Bewohnern. Eine Umstellung, gelinde gesagt. Aus Neuseeland, wo ein Doppelzimmer in einem guten Hostel durchschnittlich 40 Euro kostet, nach Sydney, in dem mich die ersten beiden Nächte im 6er Dorm je 50 Euro kosten. Danach quartiere ich mich in die YHA um und bezahle „nur“ noch 32 Euro. Nicht nur die Preise, die höher als in der Schweiz sind, sondern auch das Schlafen in Dormitories ist gewöhnungsbedürftig. Aber solange es ein „girls only“-dormitory ist, hält sich wenigstens das Schnarchen in Grenzen.

 

Gleich am ersten Tag mache ich eine der kostenlosen Stadtführungen von Peek Tours mit. Trinkgeld natürlich erwünscht. Aber dafür muß die Tour dann auch gut sein. Und das ist sie auch! In fast 4 Stunden erfahre ich unglaublich viel über die Stadt und sehe auch einen guten Teil der Innenstadt. So bin ich nicht mehr ganz orientierungslos.

Vom Circular Quay mit seinen Bootsanlegestellen, über das ursprüngliche Armenviertel „The Rocks“ durch die Innenstadt, vorbei an diversen historischen Bauten zum Botanischen Garten mit seinen riesigen Fledermäusen zu einem glorreichen Abschluß an der Oper von Sydney. Und unsere Stadtführerin erzählt mit einer Begeisterung, die einfach mitreißend ist.

Auf der Stadtführung lerne ich Julia kennen. Mit ihr überquere ich am gleichen Tag noch die berühmte Harbour Bridge, den „Kleiderbügel“, der Nord- und Südküste des Hafens von Sydney verbindet. Wir beobachten Touristen beim Erklimmen der Brücke. Mir juckt es in den Fingern beim Zusehen. Da würde ich ja auch gerne hinaufsteigen. Aber je nach Zeitpunkt kostet der Bridge Climb bis zu 330 AUS$ oder rund 250 Euro – und jedes Foto schlägt nochmals mit horrenden Preisen zu Buche. Selber fotografieren verboten. Das ist mir die Sache dann doch nicht wert.

Auch die anderen Tage bin ich die meiste Zeit mit Julia unterwegs. Wir machen die billige Hafenrundfahrt-Variante und nehmen die lokale Fähre nach Manley Beach. Toll! Ich erhalte neue Blickwinkel auf die Harbour Bridge und die Oper von Sydney. Wieviele Bilder ich in meiner Begeisterung wohl von diesen beiden Landmarken geschossen habe? In Manley angekommen, laufen wir am Strand – voll, voll, voll – und dann den Küstenrundweg entlang. Am Aussichtspunkt erhalten wir herrliche Ausblicke auf die Skyline von Sydney. Und ich begegne meinem ersten Echidna. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß. Ich höre es nur im Gebüsch rascheln und dann sehe ich ein igelförmiges Stacheltier mit einem langen spitzen Rüssel. (Leider kein Bild, es war zu tief im Gebüsch versteckt.) Erst am nächsten Tag im Aquarium erhalte ich eine Erklärung für diesen Igel mit Rüssel, denn das Echidna ist mit dem Platypus verwandt, der als Wassertier hier im Aquarium seinen Platz hat. Was die beiden gemeinsam haben? Sie sind die einzigen beiden Kloakentiere (soweit ich der Übersetzung von „monotremes“ auf leo.org trauen kann) auf der Welt; beheimatet ausschließlich in Australien und auf Papua Neuguinea.

Im Aquarium leben nicht nur Haie und viele bunte Fische vom Great Barrier Reef (darunter Nemo der Clownfisch), sondern ich lerne auch noch andere, mir völlig unbekannte Tiere kennen. So den Dugong, eine indopazifische Seekuh. Unglaublich interessant. Vom Aquarium machen wir den logischen Schritt zum Fischmarkt, der gleich um die Ecke liegt. Dort lassen wir uns eine große Portion Sushi schmecken. Wir sitzen im Freien am Hafen. Die Möwen sitzen auch dort und ich darf mein Essen nicht einen Moment unbeobachtet lassen. Ansonsten schlagen diese Plagegeister gnadenlos und in Sekundenschnelle zu.

Chinatown und die Universität, Bondi Beach, Elizabeth Bay House und Botanischer Garten. Es gibt viel zu sehen, um nur ein paar meiner Stationen in Sydney zu nennen.

 

Am Eingang des Botanischen Gartens – der im übrigen gleich neben den Hochhäusern der Innenstadt liegt und einen tollen Panoramablick auf die Oper bietet –  grüßt ein Schild, das uns Europäern ganz seltsam anmutet. Es beinhaltet eine ausdrückliche Aufforderung den Rasen zu betreten und außerdem an den Rosen zu riechen, die Bäume zu umarmen und mit den Vögeln zu sprechen.

 

 

 

 

Statt dem Picknick auf dem Rasen im Botanischen Garten machen wir allerdings einen Stop am Henrys Cafe de Wheels Imbisstand, berühmt für seinen Tiger Pie. Dieser Imbis ist eine Institution von Sydney, die selbst von Berühmtheiten wie Frank Sinatra und Marlene Dietrich bereits besucht wurde.

Sydney ist eine tolle Stadt und ich kann mich gar nicht losreißen. Nach 5 Tagen in der Stadt mache ich einen Ausflug in die Blue Mountains, die nur 2 Stunden mit dem Zug von Sydney entfernt liegen.

Ein hop on hop off-Bus bringt mich an die verschiedenen Stationen, von denen aus ich entweder faules Sightseeing von diversen Aussichtsplattformen mache oder die ein oder andere kleine Wanderung unternehme. Was für eine tolle Landschaft! Die Bergformation der „drei Schwestern“ steht natürlich im Mittelpunkt der Tour.

Und so steige ich dort die Treppen des „Giant Staircase“ in ungezählten Stufen hinunter und laufe entlang des Berghangs bis zur „Scenic Railway“, um mit dieser wieder den Berg hinaufzufahren.

Nichts hat mich auf diese Bahnfahrt vorbereitet. Die steilste Zahnradbahn der Welt – bis zu 52 Grad! Beim Einsteigen liege ich praktisch in den Hartschalensitzen. Wir werden ermahnt alle losen Sachen wegzupacken und Taschen und Rucksäcke festzuhalten.

 

 

 

 

Dann geht es auch schon los und schon nach den ersten Metern liege ich plötzlich nicht mehr in meinem Sitz, sondern sitze aufrecht und habe das ungemütliche Gefühl nach vorne wegzurutschen – so steil geht es den Berg hinauf! Als wir dann noch durch einen engen Steintunnel fahren, bin ich restlos bedient. Zum Glück sind wir nach guten 200 Metern Fahrt auch schon am Ziel angekommen. Wie gerne hätte ich hier eine Videokamera dabeigehabt!

 

 

 

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